Die „Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V.“ (DGO) ist ein Fachverband, der alle an Galvanotechnik Interessierten vereint. Mein Betrieb und auch ich persönlich haben von der nun schon über einige Jahrzehnte bestehenden Mitgliedschaft der Firma Riesmetall in der DGO unendlich profitiert.

Man kann die Mitgliedschaft in einem Fachverband unterschiedlich intensiv nutzen, vom rein ideellen Beitrag durch bloße Zahlung des Mitgliedsbeitrages bis hin zur persönlichen Mitarbeit in den Gremien gibt es viele Möglichkeiten. Ich habe mich schon nach kurzer Zeit für die leidenschaftliche Hingabe an die Verbandsarbeit entschieden, denn für einen Lohngalvaniker ist Galvanotechnik die Existenzgrundlage und ich wollte mein Lebensfundament so stabil wie möglich befestigen.

Seit über 30 Jahren besuche ich nun regelmäßig fast alle großen Veranstaltungen der DGO und bin regelmäßig bei den DGO-Bezirksgruppen Nürnberg, München und Stuttgart präsent. Ich habe unzählige Vorträge gehört und mit anderen Fachleuten Gedanken ausgetauscht und geteilt. Viele Kollegen sind in dieser Zeit gekommen und gegangen, aber nur wenige haben gemeinsam mit mir so lange und so konsequent an diesem Kommunikationsprozess teilgenommen.

Solche Beharrlichkeit zahlt sich in besonderer Weise aus, wer sich in den harten Kern einreiht, dem winkt am Ende eine besondere Belohnung: der Zustand der Erleuchtung!

Das bedeutet nicht, allwissend geworden zu sein, das kann niemand jemals erreichen. Erleuchtung ist das Wissen über Zusammenhänge, ist der erfahrene Blick für die Unterscheidung zwischen zulässig und unzulässig, sinnvoll und unsinnig, zukunftsträchtig und chancenlos. Man bleibt immer ein fehlbarer Mensch, der trainierte Verstand nimmt einem aber die Angst davor.

Leider ist Erleuchtung ein flüchtiger Zustand, der einem nur wenige Jahre erhalten bleibt, bevor ihn das Alter wieder verglimmen lässt. Dieses Zeitfenster heißt es gut zu nutzen, denn Erleuchtung ist nicht billig zu haben. Ich veranschlage die aktuellen Gesamtkosten meiner jährlichen Kongresstournee auf etwa 5.000 €, da kommt in 30 Jahren eine hübsche Summe zusammen. Man hätte dafür eine luxuriöse Weltreise machen oder einen tollen Sportwagen kaufen können.

Nachdem dieses Wissenskapital sich in meinem Betrieb reich verzinst hat, möchte ich es nun durch Weitergabe an meine Nachwelt vervielfachen. Auch wenn sich nur ein Teil der Lichter, die mir aufgegangen sind, weitergeben ließe, könnte die Galvanotechnik sich ein kleines Stück weiterentwickeln, müssten nicht mehr alle alten Fehler wiederholt werden.

Ich habe deshalb angefangen, eigene Vorträge zu gestalten. Das Ascona-Projekt, mein running-gag über viele Jahre, hat sehr viel Aufmerksamkeit und Wohlwollen gefunden, wird aber eher als unterhaltsam angesehen denn als nachahmenswert. Fuck-Zertifizierung dagegen wirkte sehr polarisierend und ist neben heller Begeisterung auch auf schroffe Ablehnung gestoßen. Ich habe diesen Vortrag nur einmal vor der DGO-Bezirksgruppe München halten können, er wurde dann vom DGO-Vorstand sofort auf den Verbots-Index gesetzt. Ich habe das zunächst nur als kleine Irritation hingenommen.

Dann kam es knüppeldick. Weil die Interfinish 2016 in Peking auf den gleichen September-Termin wie die DGO-Jahrestagung fiel, habe ich das Thema „Salzsprühtest“ dort unter dem Titel „The Nonsense of Salt Spray Test“ angemeldet und es wurde so auch angenommen. Offenbar sehr zum Ärger des DGO-Vorstandes, der mich daraufhin aus dem deutschen Vortragsblock kickte, weil, so wurde mir mitgeteilt, „Inhalt und Darstellung der Probleme … entsprechen so nicht der Meinung der DGO“!

„Die Satzung der DGO kennt keinen Meinungsbildungsprozess der DGO“

Wie bitte? Die Satzung der DGO kennt keinen Meinungsbildungsprozess der DGO, aus dem eine sozusagen offizielle „Meinung der DGO“ hervorgehen könnte! Die DGO ist nur Veranstalter eines „fachlichen Gedankenaustausches unter den Mitgliedern“ und zu diesem Gedankenaustausch müssen natürlich auch einseitige und unausgewogene Darstellungen zählen dürfen! Ansonsten ist nur darauf zu achten, dass keine verbotenen Inhalte wie Aufrufe zu Gewalt oder Volksverhetzung unter dem Namen der DGO erscheinen.

Auch die Tagungsleitung der Interfinish 2016 ist nach dieser Intervention der DGO hellhörig geworden, es hat ihr dann aber genügt, dass der Titel zu „Sense and Nonsense of Salt Spray Test“ erweitert wurde. Mein Beitrag wurde inhaltlich unverändert in einen anderen Vortragsblock verschoben.

Doch ich war gewarnt und wurde nachdenklich. Was war da geschehen? Wie kann sich ein deutscher Fachverband so autoritär und antiliberal gebärden und offen Zensur ausüben, noch dazu ohne jede Deckung durch seine Satzung? Etwas Unheilvolles ist mit der DGO im Gange, in der Politik würde man wohl von einem Rechtsruck sprechen.